Pflanzen existieren länger auf unserem Planeten und haben demnach mehr Lebenserfahrung. Warum nicht von ihnen lernen?
Von der Natur lernen: Wie gehen Pflanzen mit Stress um?
Menschen und Pflanzen sind unterschiedliche Lebewesen, die aber grundlegende Dinge gemeinsam haben: Sie wachsen, pflanzen sich fort und passen sich ihrer Umgebung an. Trotz der Gemeinsamkeiten sind Pflanzen uns in vielen Bereichen überlegen, denn sie sind weitaus älter als wir und haben somit mehr „Lebenserfahrung“.
Die frühesten Pflanzen waren einfache einzellige Algen, die vor etwa 500 bis 600 Millionen Jahren in den Ozeanen umhertrieben. Von uns Menschen sind die ersten Spuren weitaus frischer. Hinweise auf die Gattung Homo gab es vor etwa 2,5 Millionen Jahren. Kurzum – wir vergleichen hier ein quirliges Kleinkind von 3 Jahren mit einer weisen Dame, die rund 600 Jahre Lebenserfahrung hat.
Grund genug, mal genauer hinzuschauen, was die Pflanzen in all den Jahren gelernt haben. Denn eins ist sicher: Stress hatten sie oft. Sie kennen große Hitze und Wasserknappheit, stürmische Zeiten und eisige Temperaturen, Nahrungsknappheit und Platzmangel. All die Widrigkeiten haben dazu geführt, dass sie Fähigkeiten entwickelt haben, die ihr Überleben sichern.
Pflanzen sind also Meister darin, mit Stress umzugehen. Daher beleuchten wir fünf ihrer Tricks und zeigen, wie wir Menschen sie anwenden können
- Anpassung fördern
- Ressourcen schonen
- Ruhepausen einlegen
- Gemeinschaft pflegen
- Herausforderungen nutzen
1. Wie sich die Eiche anpasst
Die Anpassungsfähigkeit von Pflanzen ist beeindruckend. Nehmen wir beispielsweise die Eiche, die in unterschiedlichen Klimazonen gedeiht. Bei extremen Wetterbedingungen, wie etwa Hitze oder Dürreperioden, reduziert sie den Wasserverlust, indem sie die Spaltöffnungen ihrer Blätter schließt. Dadurch wird weniger Wasser durch ihre Blattadern transportiert, das ansonsten verdunsten würde. Bei sehr niedrigen Temperaturen hat die Eiche ebenfalls einen Trick: Sie kann eine Art Frostresistenz entwickeln, indem sie spezielle Proteine bildet, wodurch weniger Frostschäden entstehen. So kann die Eiche im Frühjahr wieder neue Blätter ausbilden.
2. Wie die Kartoffel ihre Ressourcen schont
Pflanzen sind Meister der Ressourcenschonung. Der Kartoffelstrauch ist ein hervorragendes Beispiel. Er kann die unterirdische Knolle als Stärke-Speicher nutzen. Wenn also die oberirdischen Teile der Pflanze unter Stress stehen, wie bei Wasserknappheit, kann die Pflanze auf die in der Knolle gespeicherten Nährstoffe zurückgreifen.
3. Wie sich der Bambus Ruhepausen gönnt
Pflanzen benötigen Ruhephasen, um sich zu regenerieren. Bambus ist ein
gutes Beispiel dafür. Er ist zwar für sein schnelles Wachstum bekannt,
braucht aber nach der Ernte auch eine Auszeit, um wieder Kraft für neues
Wachstum zu schöpfen. Der Bedarf an Erholung kann variieren: Einige
Bambusarten können innerhalb weniger Monate wieder neue Triebe
ausbilden. Andere brauchen Ruhephase von Monaten, manchmal sogar Jahren.
Menschen sollten sich ebenfalls regelmäßige Auszeiten gönnen. Das kann durch Meditation, Spaziergänge oder einfaches Durchatmen geschehen. Indem wir uns bewusst Zeit für Erholung nehmen, stärken wir unsere Resilienz. Manche Menschen haben auch das Bedürfnis, eine längere Auszeit zu nehmen, wie etwa ein Sabbatical. Sie suchen nicht nur Erholung, sondern Raum, um lebenswichtige Entscheidungen treffen zu können. Da kann es mehrere Monate Auszeit brauchen, um die Weichen neu zu stellen.
4. Wie sich die Ringelblume um Nachbarn kümmert
Pflanzen arbeiten oft zusammen, um zu überleben. Ein Beispiel ist die schöne Ringelblume. Sie wird auch wegen ihrer sozialen Fähigkeiten geschätzt. Im Rahmen des sogenannten „Companion Planting“ (Begleitpflanzung) wird die Ringelblume häufig in der Nähe anderer Pflanzen angebaut. Warum? Sie schützt ihre Nachbargewächse vor Schädlingen, indem sie chemische Verbindungen abgibt, die Blattläuse und Weiße Fliegen fernhält.
Quellen
- Brändle, Frank; Spring, Otmar. Gesunde Pflanzen; Dordrecht Bd. 55, Ausg. 1
- Logan, W. B.: “Oak: The Frame of Civilization"
- Lopez, O. H.: „Bamboo: The Gift of the Gods"
- McIntyre, A. L.: „Companion Planting for Vegetable Gardens"
- Osmond, C. B., et al. Stress physiology and the distribution of plants, BioScience 37 (1)
- Vreugdenhil, D.: „Potato Biology and Biotechnology: Advances and Perspectives“
- Willis, K.W. & J. C. McElwain: “The Evolution of Plants"